„Hoffmann absorbiert Menschen, Orte, Begebenheiten und lässt alles Gesehene und Gehörte als phantastisches Geschehen in seinen Erzählungen wiedererstehen.“ So charakterisiert Regisseur Christof Loy den Dichter Hoffmann. Angelehnt an E.T.A. Hoffmanns Briefe aus seiner Zeit als Opernkapellmeister in Bamberg zeigt er ihn als eine Art modernen „composer in residence“, „der nur für das und nur im Theater“ lebt. Hoffmann beginnt seine Erzählungen im Backstage Bereich des Düsseldorfer Opernhauses, den Herbert Murauer auf die Bühne verlegt hat. Hier werden seine Geschichten für den Dichter Wirklichkeit.
In der Pause einer „Don Giovanni“-Vorstellung strömen die Zuschauer in Luthers Weinkeller, unter ihnen Hoffmann, der zur Unterhaltung der Gesellschaft seine Ballade vom Zwerg Kleinzack zum Besten gibt. Er kann diese Geschichte nicht erzählen, ohne immer wieder in Schwärmereien über seine Geliebte zu verfallen. Darauf angesprochen, erzählt Hoffmann von seiner unglücklichen Liebe zu drei Frauen – Olympia, Antonia und Giulietta –, die alle Teil der einen sind: der Sängerin Stella. Ihr wohnen drei Seelen inne: Künstlerin, junges Mädchen und Kurtisane. Nachdem er die Erzählungen beendet hat, ist Hoffmann so betrunken, dass er seine geliebte Stella nicht wiedererkennt. Völlig in seiner Imagination gefangen, spricht er sie mit den Namen seiner Phantasiegestalten an. Die enttäuschte Diva verbringt daraufhin den Abend mit seinem Konkurrenten, dem Stadtrat Lindorf.
Wie Orpheus verliert Hoffmann seine Liebe, und gerade dieser Verlust animiert ihn zu den schönsten und kraftvollsten Erzählungen. Die Poesie kann der romantische Dichter nur durch sein Leid wiedergewinnen: „Man ist groß durch die Liebe, doch größer noch durch seine Tränen“ singt der Chor der unsichtbaren Geister am Ende. Hoffmann erkennt schließlich seine Muse wieder, die ihn die ganze Zeit in Gestalt seines Freundes Nicklausse begleitet hat, und findet damit seine Bestimmung.
***Jacques Offenbach
(1819 - 1880)
LES CONTES D'HOFFMANN
(Hoffmanns Erzählungen)
Opéra-fantastique in fünf Akten
Text von Jules Barbier und Michel Carré
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Wen-Pin ChienInszenierung Christof LoyBühne und Kostüme Herbert MurauerLicht Volker WeinhartChor Christoph KurigDramaturgie Peter Heilker Hoffmann Sergej KhomovMuse/Niklas Annette SeiltgenLindorf/Coppelius/Mirakel/Dapertutto Sami LuttinenAndreas/Cochenille/Franz/Pitichinaccio Florian SimsonOlympia/Stella Olesya GolovnevaAntonia/Stella Sylvia HamvasiGiulietta/Stella Alexandra von der WethStimme der Mutter Maria RadnerNathanael/Spalanzani Bruce RankinHermann/Schlemihl Marco VassalliLuther/Crespel Michail Milanov Orchester Düsseldorfer Symphoniker
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