Szene aus ''Marsch, Walzer, Polka'' | (c) Gert Weigelt
b.01
Marsch, Walzer, Polka / Martin Schläpfer
Frank Bridge Variations / Hans van Manen
3.Sinfonie (Uraufführung) / Martin Schläpfer
Premiere
Dauer: ca. 2 1⁄2 Stunden, zwei Pausen

 
Dauer: ca. 2 1⁄2 Stunden, zwei Pausen
Marsch, Walzer, Polka
Martin Schläpfer
Ein geheimnisvolles Tremolo scheint eine anmutige Landschaft zu beschreiben. Wie sanfte Wellen schlagen Motivsplitter an die Oberfläche. „An der schönen blauen Donau“ beginnt sich zu drehen. Immer wieder neu entwickelt sich der musikalische Fluss, holt Schwung, ja gewinnt Kraft aus den berühmten Verzögerungen. Die Musik keiner Stadt trägt diese Möglichkeit in sich, in einem einzigen Takt alles auszudrücken: den Heurigen, das (wohlige) Aussetzen des Herzschlags, den Blick in die Unendlichkeit – und dasjenige dahinter. Strauß, Vater und Söhne, das heißt: Walzertraum und Tanzekstase, Lebensmelodie im Dreivierteltakt und fröhliche Ausgelassenheit, Unterhaltung und Selbstbefreiung, aber auch Melancholisches, Versponnenes, oft Ausbrechendes bis hin zum Eskapismus oder in die Hysterie – eine Musik, die auch die Nachtseiten kennt, so gefährlich wie süß ist.

„Dass alle Sehnsucht größer ist als die Erfüllung, und dass gerade die übergroße Leidenschaft das Scheitern bedingt, selten hat man das so genüsslich seziert gesehen“, schrieb die Stuttgarter Zeitung über Martin Schläpfers ebenso liebevollen wie ironisch-distanzierten Blick auf die ganz eigene Musik-, Tanz- und Befindlichkeitskultur der österreichischen Metropole in seinem „Wien-Ballett“ „Marsch, Walzer, Polka“. Sie kreiseln mit imaginären Partnern, wiegen sich im Spagat, lauschen versonnen, wenn die Geigen im Orchester am heftigsten „schluchzen“, entdecken die lauernde Verzögerung des Tangos für den Walzer und den Spitzenschuh als gefährliche Waffe, begegnen sich wie sommernachtstrunkene Schlafwandler voll unerwarteter Zartheit, verlieren die Nerven und bekommen schlotternde Knie, statt stramm und strahlend vor einem imaginären k. & k.-General zu defilieren – die Tänzerinnen und Tänzer, die die Bühne bevölkern. Fern aller Opernballklischees gelingt Martin Schläpfer in „Marsch, Walzer, Polka“ eine feinsinnige Ausbalancierung des so wienerischen Zwiespalts zwischen Euphorie und Melancholie, großem Gefühl und burlesker Komik.
 
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MUSIK
„An der schönen, blauen Donau“ Walzer op. 314 und „Annen-Polka" op. 117 von Johann Strauß (Sohn)
„Sphärenklänge“ Walzer op. 235 von Josef Strauß
„Radetzky-Marsch“ op. 228 von Johann Strauß (Vater)
 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Kostüme Thomas Ziegler
Licht Thomas Diek
 
Tänzerinnen Sachika Abe,Ann-Kathrin Adam,Marlúcia do Amaral,Camille Andriot,Feline van Dijken,Carolina Francisco Sorg,Carrie Johnson,Yuko Kato,So-Yeon Kim,Emi Kuzuoka,Anne Marchand,Nicole Morel,Carly Morgan,Kerry-Anne O'Brien,Daniela Svoboda,Julie Thirault,Anna Tsybina / Mariana Dias
Tänzer Christian Bloßfeld,Florent Cheymol,Helge Freiberg,Armen Hakobyan,Callum Hastie,Sonny Locsin,Bruno Narnhammer,Bogdan Nicula,Chidozie Nzerem,Sascha Pieper,Boris Randzio,Ordep Rodriguez Chacon,Alexandre Simões,Remus Sucheana,Pontus Sundset,Maksat Sydykov,Jörg Weinöhl
 
Frank Bridge Variations
Hans van Manen
Zornig aufgebracht beginnt der Tanz. Paare erahnen sich, finden sich über einen Blick aus dem Augenwinkel. Fordern sich auf zum erotischen Duell und zur zärtlichen Verbindung, umkreisen sich und scheinen wie durch ein unsichtbares Band unauflöslich aneinander gebunden ...

„Es sind wahrscheinlich die konzentriertesten 24 Minuten Tanz, die in dieser Spielzeit in Europa herausgekommen sind“, urteilte der Tanzkritiker Jochen Schmidt über Hans van Manens 2005 für das Het Nationale Ballet Amsterdam entstandene „Frank Bridge Variations“. Der niederländische Choreograph, der viele Jahre als künstlerischer Leiter das Nederlands Dans Theater sowie als Hauschoreograph das Holländische Nationalballett prägte, zählt zu den bedeutendsten Künstlern des zeitgenössischen Tanzes. In seiner einmal gefundenen, höchst reduzierten und kristallklaren Handschrift – darunter die für ihn so typischen Balancen und Off-Balancen, angewinkelten und angespannten Glieder, den Raum durchschneidenden geometrischen Bewegungslinien und charakteristischen Blicke und Begegnungen – findet Hans van Manen zu immer neuen Nuancen. Von nichts anderem als dem Tanz handeln seine Ballette, sie lassen sich kaum greifen, versucht man, sie in Worte zu fassen – und doch sprechen sie zwischen den Zeilen auf zutiefst berührende Weise immer auch von Menschen und vom Menschsein.

Musikalische Basis der „Frank Bridge Variations“ ist die gleichnamige Komposition Benjamin Brittens – Variationen für Streichorchester, die der britische Komponist 1937 aus einem melancholisch-verschleierten Thema seines Lehrers Frank Bridge entwickelte. Lebhafte Stimmungsumschwünge vom aufgewühlten Klagegesang zu spukartigen Passagen finden sich in der suitenartigen Partitur ebenso wie Tanzparodien: da gerät ein schwungvoller Walzer immer wieder völlig aus dem Takt und ins Stolpern, da beschwört eine französische Bourée Classique auf virtuose Weise den Zauber einer längst vergangenen Epoche und versammelt ein dunkel-glühender Trauermarsch voller Expressivität allen Schmerz der Welt in sich.

 
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FRANK BRIDGE VARIATIONS
Hans van Manen

MUSIK
„Variations on a Theme of Frank Bridge“ op. 10 von Benjamin Britten
 

Choreographie Hans van Manen
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne und Kostüm Keso Dekker
Licht Bert Dalhuysen
Choreographische Einstudierung Rachel Beaujean
 
Tänzerinnen Marlúcia do Amaral,Julie Thirault,Anne Marchand,Carolina Francisco Sorg,Camille Andriot / Daniela Svoboda
Tänzer Remus Sucheana,Bogdan Nicula,Ordep Rodriguez Chacon,Callum Hastie,Pontus Sundset / Bruno Narnhammer
 
3.Sinfonie (Uraufführung)
Martin Schläpfer
Immer wieder aufs Neue dringt der Choreograph Martin Schläpfer in die Tiefenschichten der von ihm gewählten Musiken vor, gräbt sich in sie hinein und erschließt aus der intensiven Auseinandersetzung mit ihnen nicht nur neue Bewegungs- und Theaterwelten zwischen purem Tanz und Seelenschau, Form und Emotion, sondern ebenso komplexe wie vielschichtige Partituren für ein „Musizieren mit dem Körper“. Offene Fragen geben ihm dabei Impulse, Grenzen zu überschreiten, Widerstände herauszukehren, tradierte Formen zu modifizieren. Es ist die Suche nach einem Weg für eine Ballettkunst des 21. Jahrhunderts, die ihn antreibt – kraftvoll, extrem, manchmal störrisch, oft voll doppelbödigem Humor, fremd und doch nah und zutiefst berührend in der Unmittelbarkeit seiner Tanzsprache.

Durch die Musik Witold Lutosławskis (1913–1994) fühlt sich Martin Schläpfer seit vielen Jahren fasziniert und inspiriert, obwohl der polnische Komponist mit seiner Zurückhaltung gegenüber dem Theater eine Vertanzung seiner Werke strikt untersagt hatte. Als seine Erben zehn Jahre nach seinem Tod das Verbot aufh oben, gelang Martin Schläpfer mit seiner Choreographie auf Lutosławskis Streichquartett ein Meisterwerk, für das ihm im Moskauer Bolschoi Theater mit dem Prix Benois de la Danse 2006 der „Oscar“ der Tanzwelt verliehen wurde.

Nicht nur als kraft vollen Gegenpol zu den Wiener Klangwelten der Strauß-Familie sowie dem spätromantischen Tonfall von Benjamin Brittens „Frank Bridge Variations“ versteht Martin Schläpfer Lutosławskis Musik nun in seinem Düsseldorfer Eröffnungsabend. Vielmehr erscheint ihm die 3. Sinfonie als „perfekte Ballettmusik mit ihren vielen Ziselierungen, Schattierungen, Wechseln, Zusammenbrüchen, Inseln, Erinnerungen und unterschiedlichen Temperaturen. In dieser Musik spüre ich die Chance“, erläutert Schläpfer, „auf alle meine 48 Tänzerinnen und Tänzer, die ich teilweise noch kaum, teilweise bereits seit vielen Jahren kenne, zu reagieren und so mein erstes Tanzstück für die gesamte Compagnie des Balletts am Rhein zu choreographieren.“
 
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MUSIK
Sinfonie Nr. 3 von Witold Lutosławski
 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Christoph Altstaedt
Bühne Thomas Ziegler
Kostüme Catherine Voeffray
Licht Thomas Diek
 
Tänzerinnen Sachika Abe,Ann-Kathrin Adam,Marlúcia do Amaral,Camille Andriot,Mariana Dias,Feline van Dijken,Ana Djordjevic,Géraldine Dunkel,Carolina Francisco Sorg,Ainara García Navarro,Carrie Johnson,Yuko Kato,So-Yeon Kim,Emi Kuzuoka,Anne Marchand,Nicole Morel,Carly Morgan,Kerry-Anne O'Brien,Louisa Rachedi,Daniela Svoboda,Anna Tsybina
Tänzer Christian Bloßfeld,Andriy Boyetskyy,Martin Chaix,Florent Cheymol,Helge Freiberg,Niels Funke,Armen Hakobyan,Callum Hastie,Antoine Jully,Sonny Locsin,Michal Matys,Bruno Narnhammer,Bogdan Nicula,Chidozie Nzerem,Sascha Pieper,Boris Randzio,Ordep Rodriguez Chacon,Alexandre Simões,Remus Sucheana,Pontus Sundset,Maksat Sydykov,Jörg Weinöhl
 

 

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