Serenade: Ann-Kathrin Adam, Anna Tsybina | (c) Gert Weigelt
b.03
Serenade / George Balanchine
Signing Off / Paul Lightfoot und Sol León
Reformationssymphonie / Martin Schläpfer
Premiere
Dauer: ca. 2 Stunden, zwei Pausen

 
Dauer: ca. 2 Stunden, zwei Pausen
Serenade
George Balanchine
Auf geradezu magische Weise öffnet sich die Tür in die Welt des klassischen Balletts mit einer äußerst simplen Aktion: 17 bewegungslos in sich versunkene Tänzerinnen in hellblauen, dreiviertellangen „Sylphides“-Tütüs nehmen unisono die Erste Position des klassischen Kanons ein. Mit unerschöpflichem Erfindungsreichtum und einer klaren, von allem äußerlichen Beiwerk befreiten Bewegungssprache, die in wehmütigem Glanz von einem romantisch-verträumten Sehnen spricht, entfalten sich der Zauber und die Schönheit des puren Tanzes. Was zunächst nur als eine Art Übung gedacht war, geriet George Balanchine mit seinem kühnen Zugriff auf das Vokabular der Danse d’école, einem ungewöhnlichen formalen Aufbau mit immer neuen, keil-, kreis- und karreeförmigen, aber auch asymmetrischen Tänzergruppierungen und fließenden Grenzen zwischen Solisten und Corps de Ballet zu seinem ersten amerikanischen Meisterwerk: das Ballett „Serenade“ auf Peter I. Tschaikowskys gleichnamige Komposition für Streichorchester, entstanden für seine Schülerinnen und Schüler und 1935 bei der ersten Premiere des neugegründeten American Ballet in New York der Öffentlichkeit präsentiert.

George Balanchine – 1902 in St. Petersburg geboren, 1983 in New York gestorben – zählt zu den bedeutendsten Choreographen des 20. Jahrhunderts. Bis heute ist es für jedes Ensemble eine große Auszeichnung und Herausforderung, ein Ballett aus seinem insgesamt 425 Werke umfassenden Oeuvre präsentieren zu können. Verwurzelt in der Tanzwelt seiner zaristischen Heimatstadt und geprägt durch die Ästhetik Marius Petipas, wurde Balanchine die Vergangenheit auf kongeniale Weise zu einem Sprungbrett in die Zukunft. In Paris schloss er sich in den 1920er Jahren den berühmten Ballets Russes Sergej Diaghilews – und damit der Avantgarde – an. In den USA fand er ab 1934 nicht zuletzt durch die weitsichtige Unterstützung des kunstliebenden Industriellen Lincoln Kirstein optimale Arbeitsbedingungen. Balanchine machte Amerika zur neuen Heimat des klassischen Balletts. Mit seinen zahlreichen Choreographien – darunter Meisterwerke wie „Serenade“, „Concerto Barocco“ und „Agon“ – gelang es ihm wie keinem anderen, den klassisch-akademischen Tanz für das 20. Jahrhundert weiterzudenken.

 
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MUSIK
Serenade für Streicher C-Dur op. 48 von Peter I. Tschaikowsky
 

Choreographie George Balanchine
Musikalische Leitung Axel Kober / Ralf Lange
Kostüme  Karinska
Choreographische Einstudierung Nanette Glushak
 
Tänzerinnen Ann-Kathrin Adam,Louisa Rachedi,Anna Tsybina,Doris Becker,Mariana Dias,Ana Djordjevic,Ainara García Navarro,Sachika Abe,Camille Andriot,Feline van Dijken,Géraldine Dunkel,Carolina Francisco Sorg,Cristina Garcia Fonseca,Carrie Johnson,So-Yeon Kim,Emi Kuzuoka,Nicole Morel,Kerry-Anne O'Brien,Daniela Svoboda,Julie Thirault
Tänzer Michal Matys,Ordep Rodriguez Chacon,Christian Bloßfeld,Florent Cheymol,Bruno Narnhammer,Martin Schirbel
 
Signing Off
Paul Lightfoot und Sol León
Schwarzweiß ist die Welt. Die kreisenden Bewegungen der Musik ziehen immer tiefer hinein in die Strudel nur scheinbar friedlicher Trancezustände. Ein Todesbote wandelt einsam vor sich hin. Zwei Tänzerinnen werden auf schaurig-schöne Weise von schwarzen Wasserfällen aus wallender Seide verschlungen.

"Signing off“ ist ein melancholisches Stück über das Abschiednehmen, ein expressives, virtuoses, aber auch lyrisch-zartes Antanzen gegen das Ende.
Das britisch-spanische Choreographen-Duo Paul Lightfoot und Sol León – zwei in ihren Charakteren völlig unterschiedliche Künstler, unter deren Hand jede Arbeit zu einem vibrierenden Dialog gerät – zählt zu den erfolgreichsten Partnern der zeitgenössischen Tanzszene. Nach ihren Ausbildungen an der Royal Ballet School London und der Ballettakademie Madrid fanden die beiden Choreographen ihre künstlerische Heimat am Nederlands Dans Theater in Den Haag, wo sie nicht nur selbst in zahlreichen Balletten von Jiří Kilián, Hans van Manen, Mats Ek, Nacho Duato und Ohad Naharin tanzten, sondern seit 1991 auch über 30 gemeinsame Werke schufen. Ab 2002/03 waren sie „Choreographers in Residence“ des NDT, und Paul Lightfoot darüber hinaus an der Seite von Jiří Kylián auch künstlerischer Berater der Compagnie. Mit ihrem 2003 für das NDT I entstandenen Ballett „Signing off“ auf zwei Sätze aus dem Violinkonzert des amerikanischen Minimalisten Philip Glass (*1937) gewannen Paul Lightfoot und Sol León 2004 den renommierten Prix Benois de la Danse im Moskauer Bolschoi Theater.

Als Solistinnen des Violinparts sind alternierend die Geigerinnen Natasha Korsakova und Tai Murray zu erleben. Über die junge russisch-griechische Gawriloff-Schülerin Natasha Korsakova schrieb die FAZ: „Es gibt sie doch hin und wieder im Konzertleben, die Sternstunden, in denen man seinen Ohren kaum zu trauen glaubt“. Längst bei allen großen Orchestern der USA zu Gast und bis 2010 Mitglied des BBC New Generation Artist-Programms zählt Tai Murray zu den „Rising Stars“ der amerikanischen Musikszene.

 
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MUSIK
1. und 2. Satz aus dem Konzert für Violine und Orchester von Philip Glass
 

Choreographie Paul Lightfoot, Sol León
Musikalische Leitung Axel Kober / Ralf Lange
Bühne Paul Lightfoot, Sol León
Kostüme Paul Lightfoot, Sol León
Licht Tom Bevoort
Choreographische Einstudierung Anders Hellström, Shirley Esseboom
 
Violinsolistin Natasha Korsakova / Tai Murray
Tänzerinnen Marlúcia do Amaral,Yuko Kato
Tänzer Armen Hakobyan,Sonny Locsin,Bogdan Nicula,Remus Sucheana
 
Reformationssymphonie
Martin Schläpfer
„Ein Schlachtlied war jener trotzige Gesang, womit er (Luther) und seine Begleiter in Worms einzogen“, schrieb Heinrich Heine über das 1529 entstandene Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“, das sich längst zu einer Art Hymne der Protestanten entwickelt hatte. Und weiter: „Der alte Dom zitterte bey diesen neuen Klängen, und die Raben erschraken in ihren obscuren Thurmnestern. Jenes Lied, die Marseiller Hymne der Reformazion, hat bis auf unsere Tage seine begeisternde Kraft bewahrt“ – eine Kraft, die auch Felix Mendelssohn Bartholdy gespürt haben mag, als er im Januar 1831 aus Rom nach der ausgiebigen Lektüre Lutherscher Liedtexte an seinen Freund Klingemann berichtete: „wie da jedes Wort nach Musik ruft, wie jede Strophe ein anderes Stück ist, wie überall ein Fortschritt, eine Bewegung, ein wachsen sich findet, das ist gar zu herrlich.“ Seine „Reformationssymphonie“ war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, diese „geistliche Instrumentalmusik“, in der die für Mendelssohns musikalische Sprache so typische Reinheit und versponnene Schönheit aufgebrochen erscheint in ungewöhnlich harten formalen Zerklüftungen – als wollte der junge Komponist die Widersprüche seiner Zeit schroff gegeneinander stellen in einer ganz eigenen Gedanken- und Klang-Welt, die über das Absolute der Musik weit hinausweist hinein in die wesentlichen Fragen des Menschseins.

Der zweifelnde Mensch, hin und her geworfen zwischen Selbstbehauptung und dem Gefühl des Ausgeliefertseins, ringend um Liebe und Erkenntnis, ist ein zentrales Thema auch im Schaffen des Choreographen Martin Schläpfer. Wie zu einer Schlacht formiert sich in seinem Ballett „Reformationssymphonie“ immer wieder das Ensemble. Hart wie Stahl sind die Körper gespannt, mit gefährlicher Aggressivität werden die schwarzen Spitzenschuhe der Tänzerinnen in den Boden gerammt oder dieser mit wildem, erdigem Stampfen getreten. Doch auch die luftigen Höhen kennt die Welt dieses Tanzstücks: In den hohen Beinen der Frauen auf Spitze, den extremen, von aller Erdenschwere befreiten Sprüngen der Männer, der verletzlichen Sehnsucht und äußersten Fragilität vieler Passagen oder der berückend-schönen Schwerelosigkeit des Andantes, wenn jedes der sieben Paare ein eigenes Pas de deux tanzt und doch alle im Fluss der Musik aufgehen.

„Reformationssymphonie“ ist mehr als nur ein Ballett. Es ist die eindringliche Frage nach dem Tanzen an sich, nach der Bewegung und mehr: nach dem, was hinter dieser liegt.

 
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MUSIK
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 („Reformationssymphonie“) von Felix Mendelssohn Bartholdy
 

Choreographie Martin Schläpfer
Musikalische Leitung Axel Kober / Ralf Lange
Kostüme Marie-Thérèse Jossen
Licht Franz-Xaver Schaffer
 
Tänzerinnen Sachika Abe,Marlúcia do Amaral,Camille Andriot,Géraldine Dunkel,Carolina Francisco Sorg,Ainara García Navarro,Yuko Kato,Nicole Morel,Julie Thirault / Daniela Svoboda
Tänzer Helge Freiberg,Callum Hastie,Antoine Jully,Bogdan Nicula,Ordep Rodriguez Chacon,Remus Sucheana,Pontus Sundset,Maksat Sydykov,Jörg Weinöhl / Martin Schirbel
 

 

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